Utlu und Ergün lesen im Theatermuseum Hannover
Von Jan Sedelies
Deniz Utlu und Mutlu Ergün vereinen die Eigenschaften, die sich Migrationspolitiker mit Hang zu bedeutungsschweren Kulturabenden wünschen: Sie sind jung, deutsch-türkischer Nationalität und verfassen bilderreiche und wohlakzentuierte Prosa. Seit zwei Jahren führen sie in Berlin durch die Lesereihe „tausend worte tief”. Zum zweijährigen Bestehen stellten sie nun ihre Texte im Theatermuseum Hannover vor.
In kurzen Erzählungen geht es um das Verschließen gegenüber eigenen Gefühlen und um den Verlust des eigenen Egos zwischen Eskapaden, verschiedenen Kulturkreisen und Kneipen. Komplexe Themen werden dabei in Treppenhäusern, Umkleidekabinen und Dönerstuben verhandelt. Die Geschichten führen vorbei an Autolichtern, Bettlerkönigen und überflüssigen Halteverboten – und mitten durch eine Gesellschaft, in der sich die Menschen nur noch mit Ellenbogen und Genitalien berühren.
Nicht jedes Bild und jede Themenskizze ist eingängig gewählt – aber wer sich auf die Texte der beiden einlässt, ist ergriffen. Und dann erschließen sich dem Zuhörer hinter den profanen Bildern ganz eigene Geschichten. Das macht die Qualität der Autoren aus.